Schreibendorfer Kapelle

26.02.2025

Sie liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Hohenelbe und Schreibendorf auf einer Höhe von 673 m über dem Meeresspiegel: Die Schreibendorfer Kapelle, heute Kapelle der Heiligen Anna und der 14 Nothelfer [1]. Die Kapelle ist der Heiligen Anna geweiht, der Beschützerin und Schutzpatronin der Stadt Hohenelbe. Heute führt ein gelb markierter Wanderweg um die Kapelle herum vom Kirchplatz in Hohenelbe um das Kloster nach Schreibendorf und zum Gipfel des Vorderen Heidelberg.

Die Kapelle wurde im Jahr 1754 erbaut, wie ein Eintrag im Gedenkbuch der Pfarrei Hohenelbe belegt. Dieser Aufzeichnung zufolge wurde die Kapelle von Antonius Schulz erbaut. Antonius Schulz, bzw. Anton Scholtz, war kein Bürger in Hohenelbe, wie gewöhnlich behauptet wird, sondern ein Bauer aus Oberhohenelbe. Dies ist fast sicher, da einer detaillierten Untersuchung relevanter zeitgenössischer Quellen (Mannschaftsbücher, Urbare, Matriken und Grundbücher) zufolge in der Mitte des 18. Jahrhunderts nur zwei Männer dieses Namens in der Herrschaft Hohenelbe lebten. Der zweite Anton Scholtz lebte allerdings in St. Peter, so dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass er die Kapelle auf dem Schleussenberg, wie der Ort damals hieß [2], erbaute.

Die Kapelle steht an den Grenzen der ehemaligen landwirtschaftlichen Höfe Nr. 117 und 118, nach der sog. alten Hausnummerierung (gültig 1770-1805). Sie liegt auf dem Weg nach Schreibendorf, der durch beide Grundstücke verläuft. Auf der Karte von Cajetan Möller und Jacobin Hauptmann aus dem Jahr 1780 ist die Kapelle nicht verzeichnet, allerdings auf der Karte des sog. Stabile Kataster von 1842. Im Jahr der Erbauung der Kapelle war der Besitzer des Hofs Nr. 118 Adam Ullrich und der Hof Nr. 117 befand sich im Besitz des Kapellenbauers Anton Scholtz [3].

Anton Scholtz (1711-1790) wurde auf dem Hof ​​ Nr. 117 geboren und bewirtschaftete ihn auf unabhängige Weise seit 1741, als er den Hof erbte. Er war zweimal verheiratet, aber die erste Ehe hielt nur sehr kurz, da seine Frau starb. Aus seiner zweiten Ehe mit Sophia, geb. Ullrich aus Nieder Langenau, gingen 14 Kinder hervor, aber nur fünf von ihnen erreichten das Erwachsenenalter. Zumindest von 1750 bis 1764 diente Anton als Geschworener in Oberhohenelbe. Das Geld für den Kapellenbau dürfte für ihn keine große Ausgabe gewesen sein, denn eine Analyse der Eintragungen in Grundbüchern, Inventarbüchern und anderen Quellen zeigt, dass es den meisten Bauern am Schleussenberg zu dieser Zeit gut ging und ihre Forderungen meist weit höher waren als ihre Verbindlichkeiten.

Antons Motivation für den Bau der Kapelle ist allerdings nicht bekannt. Es könnte sich dabei um ein hohes Maß an persönlicher Frömmigkeit gehandelt haben, aber auch um ein hohes Maß praktischen Denkens. Die Kapelle diente als Zufluchtsort bei schlechtem Wetter. Dies wird durch einen Eintrag im Gedenkbuch der Pfarrei Hohenelbe belegt, diesmal aus dem Jahr 1839, wo über die Kapelle vermerkt ist, dass sie "bei schlechtem Wetter, besonders im Winter, als Ort der Erlösung und Zuflucht für die Umherziehenden dient." Josef Šír schreibt in seiner Erzählung Tkalci (Weber), dass die Kapelle das Leben von drei Stiepanitz–Webern sowie des Mädchens Tonka rettete [4]. Sicherlich diente sie auch oft als Unterschlupf bei plötzlichen Wetterumschwüngen während der landwirtschaftlichen Arbeiten. In der Kapelle stand ein dreiteiliger Holzaltar, für dessen Herstellung ebenfalls der Kapellenerbauer sorgte. Auf der Rückseite des Originalaltars ist noch die Inschrift "Bene Factor Anton Schulz 1754" sichtbar. Dieser Originalaltar wird seit 1933/1934 im Riesengebirgsmuseum in Hohenelbe aufbewahrt, nachdem er von Benno Dlouhy (Gymnasialprofessor in Hohenelbe) restauriert worden war.

In der Kapelle befindet sich eine Kopie des Altars, eine ausführliche Beschreibung findet der Leser in der KRNAP-Verwaltungspublikation (2016, siehe Referenzliste). Wer das Altarbild geschaffen hat, ist unbekannt. Bekannt sind lediglich seine Initialen: J.A.H. Der einzige Maler (Mahler) mit den genannten Initialen in Hohenelbe und Umgebung war zu dieser Zeit Johann Anton Hartman, der Schöpfer des Gemäldes könnte jedoch auswärtig sein. Das Gemälde zeigt in seinem Mittelteil oben Gottvater mit ausgebreiteten Armen hinter einer blauen Weltkugel, zu seinen Füßen von Engeln umgeben. Darunter der Jesusknabe, über dem der Heilige Geist (dargestellt als weiße Taube) schwebt. Geführt wird Jesus von seiner Mutter Maria und seiner Großmutter Anna. Auf den beiden Flügeln links und rechts sind die 14 Nothelfer dargestellt.

Im Jahr 1778, im Zusammenhang mit dem sog. Kartoffelkrieg, besuchte Kaiser Joseph II. wahrscheinlich Hohenelbe. Bei seinem Besuch könnte der Kaiser auch den Ort aufgesucht haben, an dem die Kapelle steht und von wo aus er einen sehr schönen Ausblick auf Hohenelbe hätte haben können. Im Jahr 1910 ließ der Österreichische Riesengebirgsverein einen Gedenkstein in die Außenwand über den Kapelleneingang einsetzen. Sie trägt noch heute die Aufschrift: "Erbaut zur Erinnerung an die Anwesenheit Kaiser Josephs II. im Jahr 1778". Im Jahr 1999 wurde der Gedenkstein an der Höheren Berufsschule für Restaurierungs- und Konservierungstechniken in Litomyšl restauriert. Die Inschrift auf dem Gedenkstein ist allerdings falsch, da die Kapelle fast ein Vierteljahrhundert zuvor erbaut wurde. Der Grund für diesen Irrtum ist unbekannt, es ist jedoch nicht auszuschließen, dass anlässlich des Kaiserbesuchs keine Renovierungs- oder Umbauarbeiten an der Kapelle vorgenommen wurden.

Wahrscheinlich wurde die Kapelle von den jeweiligen Besitzern der Höfe Nr. 117 oder Nr. 118 unterhalten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts sind keine nennenswerten Reparaturen oder Umbauten bekannt. Im Jahr 1856 wurde die Kapelle offenbar renoviert und mit Türen versehen. Einer angeblichen und nicht mehr erhaltenen Inschrift zufolge dürfte sie 1878 vom Bauern Augustin Meißner, dem der Hof Nr. 117 (zu diesem Zeitpunkt bereits unter der neuen Hausnummer 36) seit 1855 gehörte, renoviert worden sein.

Die Kapelle wurde in den Jahren 1895 und 1930 weiteren großen Renovierungen unterzogen. Im Jahr 1895 war der Hohenelbe–Verein Deutsche Lesehalle für die Reparatur der Kapelle verantwortlich. Seine Aufgabe bestand vor allem darin, die intellektuelle Bildung seiner Mitglieder zu fördern, unter anderem durch den Betrieb einer Vereinsbücherei. Von dieser Reparatur ist ein Renovierungsdokument erhalten, in dem angegeben ist, dass der Verein für die Reparatur 125 Gulden von seinen Mitgliedern sammelte und die Gemeinde Oberhohenelbe 20 Gulden spendete. An der Instandsetzung waren drei Handwerker aus Hohenelbe beteiligt: ​​Zimmermann Johann Franz (Austausch des Dachstuhls, neue Holzschindeln), Klempner Heinrich Seidl (Klempnerarbeiten) und Schlosser Karl Wiegner (Anfertigung des Gipfelkreuzes, das er anschließend gespendet hat).

Im Jahr 1930 beteiligten sich mehrere Sponsoren finanziell an der Instandsetzung, wie auf Seite 73 des Gedenkbuchs der Gemeinde Oberhohenelbe zu lesen ist: "Während des Sommers wurde die Schreibendorfer Kapelle einer Renovierung unterzogen; zu den Kosten derselben (in der Höhe von 4 840,75 Kronen) trugen bei: die Ortsgruppe Hohenelbe des Riesengebirgsvereines 2 000 K (einschließlich einer in Schreibendorf durchgeführten Sammlung), die Stadtgemeinde Hohenelbe 1 000 K, die Gemeinde Benetzko 185,90 K, die Gemeinde Mrklov 127 K, die Fa. Schreiber in Oberhohenelbe 750 K, der Rest wurde durch die Gemeinde gedeckt."

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel die Kapelle und brannte zudem in den 1960er Jahren nieder, so dass nur noch der Torso der Außenmauern und ein Teil des Gewölbes übrigblieben. Eine öffentliche Sammlung und der Verein "Zdravé Krkonoše" trugen zum Wiederaufbau der Kapelle in den Jahren 1997-1998 bei. Eine kleine Besonderheit besteht darin, dass im Turm Dokumente zur Geschichte der Kapelle und eine Liste der Spender, die zu ihrer Rekonstruktion beigetragen haben, aufbewahrt werden. Es bleibt nur noch, an dieser Stelle allen zu danken, die im Laufe der Zeit zum Erhalt der Kapelle beigetragen haben.

Michal Šulc (Übersetzt mit großer Hilfe von Jürgen Stapf)

[1] 14 Nothelfer: Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriacus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus. Sie wurden als Beschützer vor Unglück und Krankheit verehrt.

[2] Tschechisch "Stavidlový vrch". Den ältesten Namen für diesen Ort habe ich im Jahr 1705 gefunden ("Schleiß Berg"), und zwar im Grundbuch für Ober- und Nieder Hohenelbe Nr. 42, auf der Seite 139 (Archiv Zámrsk, Sammlung der Grundbücher der Ostböhmischen Region, Bezirksgericht Hohenelbe, Inv. Nr. 70, Buch 68, 1693-1720).

[3] Auf dem Gelände des ehemaligen Hofs Nr. 117 steht noch eine weitere Kapelle, nämlich "Die Kapelle auf dem Schleussenberg". Es handelt sich um eine Kapelle am alten Weg von Hohenelbe nach Oberhohenelbe, im tiefsten Teil dieses Gelände. In den wenigen Hinweisen auf diese Kapelle wird meist angegeben, dass sie an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erbaut wurde. Laut einem Grundbucheintrag aus dem Jahr 1701 ist die Kapelle jedoch mindestens hundert Jahre älter (Grundbuch für Ober- und Nieder Hohenelbe Nr. 42 1693–1720, Archiv Zámrsk, Sammlung der Grundbücher der Ostböhmischen Region, Bezirksgericht Hohenelbe, Inv. Nr. 70, Buch 68, S. 124). In der Urkunde, in der der ehemalige Eigentümer ein Stück Wiese zwischen dem besagten Weg und seinem Hof erhielt, ist vermerkt "zu welchem Flecke auch ein Capell stehet". Der Eigentümer war verpflichtet, den Zugang zu dieser Kapelle über seine Wiese für Prozessionen offenzuhalten.

[4] Die Erzählung enthält auch eine skizzenhafte Beschreibung der Kapelle, zum Beispiel:

  • die Kapelle war aus Ziegeln und hatte keine Tür, aber die Türöffnung war nach Süden ausgerichtet, so dass die Weber im Windschatten des Windes waren,
  • sie saßen auf einer Bank mit Eisenseiten,
  • sie gingen auf vier Quadratmetern unebenem Pflaster,
  • im hinteren Teil der Kapelle gab es eine von einem Lattenzaun umgebene Nische, in der ein verblasstes Bild der Heiligen Dreifaltigkeit stand,
  • rund um das Bild sind trockene, künstliche Blumen angebracht und
  • Wände, auf denen Unterschriften, nationale Parolen auf Tschechisch und Deutsch sowie Flüche eingeritzt waren.

Verwendete Literatur und Quellen:

  • Bartoš, M., 1992: Kněžická kaplička. Krkonoše – Jizerské hory, Nr. 11/1992, S. 23.
  • Fink, W., (Ed.), 2009: Heimat Hohenelbe / Geschichte und Geschichten. Marktoberdorf: Heimatkreis Hohenelbe / Riesengebirge.
  • Louda, J., 2009: Drobné sakrální stavby na Vrchlabsku a jejich nápisy. Heimatkundliche Sammlung Krkonoše – Podkrkonoší / Trutnov: Muzeum Podkrkonoší v Trutnově in Zusammenarbeit mit Státní okresní archiv Trutnov, 9, S. 183-221.
  • Pichler, H., Prediger, E., 2002: Die alte Heimat Oberhohenelbe im Riesengebirge. Heimatkreis Hohenelbe / Riesengebirge e.V., Marktoberdorf.
  • Proschwitzer, F., 2014: Chronik von Hohenelbe. Nachdruck Heimatkreis Hohenelbe / Riesengebirge e.V. Marktoberdorf / Allgäu.
  • KRNAP Verwaltung, 2016: Poklady Krkonošského muzea 1.
  • KRNAP Verwaltung, 2019: Církevní památky Krkonoš 2.
  • Šír, J., 1933: Tkalci, Spiritisté. Gesammelte Werke, Band 3. Hohenelbe, Josef Krbal.
  • https://zdravekrkonose.eu/
  • https://www.znicenekostely.cz/

Verwendete Archivquellen:

  • Grundbuch für Ober- und Nieder Hohenelbe Nr. 42 1693-1720, Archiv Zámrsk, Sammlung der Grundbücher der Ostböhmischen Region, Bezirksgericht Hohenelbe, Inv. Nr. 70, Buch 68.
  • Gedenkenbuch der Gemeinde Oberhohenelbe 1922-1941, Archiv Trutnov, Archiv der Gemeinde Oberhohenelbe, Inv. Nr. 9.
  • Historische Matriken der Pfarrei Hohenelbe und Grundbücher der Gemeinde Oberhohenelbe.